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Juni 2016

Agrofinanz GmbH / Kleve

Die 10 häufigsten Fragen (sog. "FAQ") zum Insolvenzverfahren der Agrofinanz GmbH

Weil die meisten Menschen keine Lust auf Anwaltsromane haben, habe ich versucht die 10 wichtigsten Fragen, die uns von Mandanten gestellt wurden, zu beantworten.Wir versuchen jede Frage mit JA oder Nein zu beantworten, was nicht immer ohne Ironie möglich ist.  Antworten auf Fragen, die Sie nicht interessieren, können Sie sich so ersparen.  

Fragen

1.      Soll ich die Forderung zur Insolvenztabelle der Agrofinanz GmbH anmelden?

2.      Kriege ich mein gesamtes Geld zurück?

3.      Erhalte ich denn wenigstens die Quote in Kürze ausgezahlt?

4.      Sollte ich einen Anwalt beauftragen?

5.      Muss ich meine Forderung zwingend bis zum 21. Juni 2016 anmelden?

6.      Ist eine Klage gegen die Chefs der Agrofinanz GmbH erfolgversprechend?

7.      Ist bei den Chefs denn überhaupt mit Sicherheit etwas zu holen?

8.      Wird ein Insolvenzverfahren auch dann durchgeführt, wenn für die Anleger gar kein Geld zu erwarten ist, also die Insolvenzquote bei 0 % liegt?

9.      Gibt es denn überhaupt irgendjemanden,  der mir den Schaden ersetzt?

10.     Zahlt meine Rechtschutzversicherung wenigstens die Verfahrens- und Anwaltskosten für die Insolvenz der Agrofinanz GmbH ?

Antworten

1.      Ja, wenn die Forderung über 5.000,-- € lautet.

2.      Nein, realistisch ist in den allermeisten Fällen allenfalls eine Quote von 5 % bis 10%  der angemeldeten Forderung. Bei der Fa. Borgward Automobile gab (a.d. 1961) es mal 102 % Quote. Die Quote steht aber erst am Ende des Verfahrens fest. Vorher ist sie so bekannt, wie der Inhalt einer geschlossenen Wundertüte.

3.      Nein, in 5 bis 10 Jahren. Es sei denn dem Insolvenzverwalter geht vorher das Geld aus.

4.      Ja,  wenn deie Anlagesumme mindestens10.000,-- € beträgt; andernfalls wären die Kosten des Anwalts, der jahrelang das Verfahren betreut, höher als die spätere Auszahlung. Fehlerhafte Forderungsanmeldungen werden vom Insolvenzverwalter bestritten (nicht anerkannt) und sind bei höheren Beträgen, auch bei geringer Quote, dann doch ärgerlich.

5.      Nein, verspätete Anmeldungen werden in einem besonderen Prüfungstermin (meist gegen Ende des Verfahrens) geprüft. Dieser ist dann aber kostenpflichtig (15,-€)! Aber die Verjährung der Forderung ist zu beachten.

6.      Ja, die Chefs haften persönlich aus § 32 KWG!  Sie haben, nach Ansicht der BaFin, Bankgeschäfte betrieben, ohne die notwendige Erlaubnis zu haben. Sie haften danach auf Rückzahlung des Kapitals.

7.      Nein, es sei denn sie haben ihr Geld nicht in Ecuador, oder sonst wohin Sicherheit gebracht und sie werden auch nicht vom Insolvenzverwalter  wegen Verfehlungen als Geschäftsführer verklagt. Beides, ist eher unwahrscheinlich

8.      Ja, ein Insolvenzverfahren wird durchgeführt, wenn das Geld des insolventen Unternehmens für die Gerichtskosten und die Gebühren des gerichtlich, bestellten Insolvenzverwalter ausreicht. Eine hohe Insolvenzquote erhöht nicht die Vergütung des Insolvenzverwalters. Der Insolvenzverwalter kriegt immer 100 % seiner gesetzlichen Vergütung.

9.      Ja , der Vermittler , der Berater oder die Bank , die Ihnen die Schrottanlage empfohlen hat und, geblendet von den Provisionen, „vergessen“ hat Sie über die Risiken aufzuklären. Zumeist haben verfügen diese sogar über eine Haftpflichtversicherung.

10.  Ja, wenn Ihre Versicherung 20- 30 Jahre alt ist und Sie die Angebote auf „Verbesserung ihres Rechtsschutzes“ seitens Ihrer Versicherung ignoriert haben. Ansonsten stellen wir eine kostenfreie Rechtsschutzdeckungsanfrage für Insolvenz- und Klageverfahren.

Im Zweifel zahlt der die Musik der, der sie bestellt hat. Also nicht der Musiker…

Die für eine Kontaktaufnahme mit der Kanzlei Mertens notwendigen Daten finden Sie rechts neben diesem Artikel.  


Januar 2016

Agrofinanz GmbH / Kleve

Insolvenzverfahren eröffnet, oder nicht?

Keine Eröffnung!   

Vorab ist hinsichtlich der Agrofinanz GmbH festzustellen, dass  das Amtsgericht Kleve das Insolvenzverfahren gegen die Agrofinanz GmbH nicht eröffnet hat. Schon gar nicht am 04.01.2016.

Verfahrensstand vorläufiges Insolvenzverfahren

Es wurde lediglich die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Dies führte zur Einleitung des Insolvenzeröffnungsverfahrens und  zur Bestellung des vorläufigen (!) Insolvenzverwalters (Piepenburg).Der vorläufige Insolvenzverwalter wird ein Gutachten anfertigen, um festzustellen, ob Insolvenzgründe vorliegen und ob  die Verfahrenskosten eines Insolvenzverfahrens durch das noch vorhandene Vermögen des insolventen Unternehmens (Insolvenzmasse) gedeckt sind. In der Zwischenzeit wird der vorläufige Verwalter die Insolvenzmasse sichern, indem er als vorläufiger Insolvenzverwalter etwaige Verfügungen der Geschäftsführung der Agrofinanz  von seiner Zustimmung abhängig macht und Vollstreckungsmaßnahmen von Gläubigern, mit Hinweis auf den Beschluss des Amtsgerichts Kleve  verhindert oder bereits eingeleitete Vollstreckungsmaßnahmen beendet.  

Weiterer Ablauf

Sollte der vorläufige Verwalter genug verwertbare Masse finden, wird dann das (reguläre) Insolvenzverfahren durch das Gericht eröffnet und eine Frist zur  Anmeldung der Insolvenzforderungen bei dem vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter bestimmt. In der Regel wird der vorläufige auch zum endgültigen Verwalter bestimmt. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird auch eine Gläubigerversammlung einberufen in der den gerichtlich bestellten Verwalter über dass Verfahren berichtet und von den Gläubigern bestätigt oder abberufen wird. Die derzeitige (Gutachter-) Tätigkeit des vorläufigen Insolvenzverwalters (Piepenburg) wird mindestens 2- 3 Monate dauern; erst dann werden die Anleger überhaupt wieder etwas vom Gericht oder Verwalter hören. Vorherige Nachfragen bei  Verwalter und Gericht sind daher genauso sinnlos, wie Versuche Insolvenzforderungen bei einem nur vorläufigen Verwalter anzumelden.Ob der vorläufige Verwalter überhaupt Vermögen  bei  dem Unternehmen Agrofinanz findet, bleibt abzuwarten und kann derzeit nicht beantwortet werden.

Was erwartet die Anleger?

Anleger können sich darauf einstellen, dass der endgültige Verwalter (Piepenburg??) alles tun wird, um eine möglichst hohe Insolvenzmasse aufzufinden, da von der Höhe der Masse seine Vergütung abhängt.  Der Insolvenzverwalter arbeitet im Auftrag des Gerichts,  nicht im Interesse der Anleger.

  • Anleger müssen weiter davon ausgehen, dass - schon aufgrund des BaFin Verbots - ein Rückkauf der Ölbäume zum Verkaufspreis, wie es die Agrofinanz den Anlegern versprochen hatte, nicht erfolgen wird und auch keine weiteren Mietzahlungen (!)  für die Ölbäume erfolgen werden.
  • Anleger müssen zudem befürchten, dass der zukünftige Insolvenzverwalter auch versuchen wird sogar die bereits geschädigten Anleger in Anspruch zu nehmen, um die Insolvenzmasse zu vergrößern. Sollte der endgültige Verwalter etwa feststellen, dass der Verkauf der Palmbäume ohne ihren Grund & Boden auch nach dem Recht Ecuadors unwirksam war, oder ein Verkauf der Palmen aus sonstigen Gründen unmöglich war, könnte er auf die Idee verfallen, die an die Anleger gezahlte “Palm- Miete“ zurückfordern.
  • Anleger müssen damit rechnen, dass in einem Insolvenzverfahren in der Regel nur ein geringer Teil der angemeldeten Gläubigerforderungen bezahlt wird.

Was sollten Anleger tun?

  • Anleger sollten sich daher schon für das Insolvenzverfahren anwaltliche Unterstützung zu suchen, um die eigenen Rechte zu sichern und bei der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren der Agrofinanz GmbH keine Fehler zu machen.
  • Anleger sollten, unabhängig von dem Insolvenzverfahren, Haftungsansprüchen gegen die Unternehmensverantwortlichen der Agrofinanz GmbH wegen unerlaubten Betreibens von Bankgeschäften (hier: Einlagengeschäft) geltend machen.
  • Anleger sollten weiter ihre Anlageberater oder Vermittler wegen Verletzung ihrer vertraglichen Aufklärungspflichten auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, sofern sie nicht vollumfänglich von diesen über die Risiken der Kapitalanlage bei derf Agrofinanz GmbH aufgeklärt wurden

… und vor allem sollten Anleger zumindest jetzt, nach Schadenseintritt, kompetente Hilfe von spezialisierten Anwaltskanzleien in Anspruch nehmen, um  den eingetretenen Schaden auszugleichen.


Allgemeines Video zu Grünen Investments

 











Januar 2016

Agrofinanz GmbH

BaFin verlangt Rückabwicklung des Ölpalmen-Investments

Das Sale & Lease Back- Modell mit Palmölbäumen in Ecuador und das ganze dann auch noch mit einer 100%-igen Rückkaufgarantie für die Bäume versehen, das die Firma AgroFinanz anbot, wurde nun endgültig von der BaFin (Finanzaufsicht) "gefällt"

1.) Sachverhalt

Investoren kauften bei der Agrofinanz GmbH aus Kleve Ölpalmen, die diese zuvor von einem Schwesterunternehmen in Ecuador erworben hatte, die auch Eigentümerin der Grundstücke in Ecuador war auf denen die Anpflanzung dann erfolgen sollten. Die von den Investoren erworbenen Palmen wurden dann im gleichen Vertrag  an die Agrofinanz zurückvermietet. Für die Dauer der Laufzeit des Vertrages zahlte die Agrofinanz GmbH eine Miete an die Käufer der Ölpalmen. So weit so gut. Eigentlich nur ein normale Sale-&-Lease-Back Vertrag. Problematisch ist aber, dass die Agrofinanz GmbH den Investoren den Rückkauf der Palmen nach Ablauf der Vertragslaufzeit zum ursprünglichen Verkaufspreis garantierte.

2.) BaFin Entscheidung

In dem garantierten Rückkauf der Palmen zum ursprünglichen Verkaufspreis sieht die BaFin nun  eine Geldannahme mit unbedingter Rückzahlungsver-pflichtung, mithin ein erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft, das nur von Banken (Kreditinstituten) betrieben werden darf.Die Finanzaufsicht gibt dazu am 11.12.2015 auf ihrer Internetseite bekannt:

  • „Die Agrofinanz GmbH hatte auf der Grundlage eines sogenannten „Kauf-, Miet- und Rückkaufvertrags“ gewerbsmäßig Gelder angenommen und deren unbedingte Rückzahlung versprochen, ohne über die hierfür erforderliche Erlaubnis der BaFin zu verfügen.“

Die BaFin gab daher der Agrofinanz GmbH auf das Einlagengeschäft einzustellen und dieses Geschäft durch „unverzügliche Rückzahlung an die Kapitalgeber abzuwickeln“. Der entsprechende Bescheid ist sofort vollziehbar aber nicht bestandskräftig.

3) Konsequenzen für Anleger / Investoren

Sofern die Agrofinanz GmbH über genug Liquidität verfügt, erhalten die Investoren ihr Geld zurück gegen Rückübertragung der Palmen. Sofern die Agrofinanz GmbH nicht über ausreichend liquide Mittel verfügt, oder sich beschaffen kann, wird es düster, sehr düster.